Lichtstrahlen fallen durch Blätter auf einen düsteren Waldweg. Gelbe Schilder weisen auf eine Gasleitung hin, dahinter blüht ein Rapsfeld. Champignons stehen in einer Gruppe dicht beieinander. All das sind Motive, die Mitglieder der Fotogruppe Eppstein in der Ausstellung „Farben des Jahres“ am Wochenende aufgegriffen haben. Außerdem waren auf den Fototagen im Rathaus I auch Werke der 25 Mitglieder zu frei gewählten Themen zu sehen. Vorträge über die Technik der Fotografie und Präsentationen aus verschiedenen Regionen – etwa Japan, Grönland und Westafrika – rundeten das Programm ab.
„Die wahre Kunst des Entdeckens besteht nicht darin, neue Länder zu suchen, sondern mit neuen Augen zu sehen“, sagte der Kulturkreis-Vorsitzender Horst Winterer zur Eröffnung und zitierte damit den französischen Schriftsteller Marcel Proust. Viele Bilder boten tatsächlich einen interessanten Blickwinkel auf die Details des Alltags und die Natur in der näheren Umgebung.
Für seine Fotos musste Winfried Schwolgin nicht weit reisen: Im Opelzoo nahm er einen Strauß auf, und im Tierpark Weilburg fotografierte er ein Wisent. An sich waren das recht gewöhnliche Fotos, Tiere eben. Dann nahm sich Schwolgin die Fotos am Computer vor. Mit einem Bildbearbeitungsprogramm nahm er die eine Hälfte der Köpfe, spiegelte sie und setzte beide Hälften aneinander. Dabei kamen Fotos heraus, die auf eine besondere Weise irritieren und witzig aussehen, ohne dass der Betrachter sofort erkennt, was ihn stört. Die Titel der Fotos passen dazu: „grinsender Strauß“ und „dämonischer Wisent“. Direkt daneben hängte der Fotograf einen Truthahn-Kopf, den er am Computer zu einem Herz arrangiert hatte – einen „herzigen Truthahn“.
Schwolgin gehört zum Kern der Fotogruppe. Seit 24 Jahren ist er dem Club treu, auch ein Umzug von Niederjosbach nach Selters hält ihn nicht davon ab, fast jeden Montag nach Bremthal ins Backhaus zu fahren, wo sich die Hobbyfotografen treffen. Nur einmal im Monat kann er nicht kommen, da kümmert er sich um seine eigene kleine Fotogruppe in Bad Camberg. Nicht einmal am Samstag nach Ausstellungsbeginn ließ Schwolgin seine Leidenschaft los. Hochkonzentriert ging er umher, um die Anordnung der Bilder und Stellwände mit der Kamera zu dokumentieren.
In der Rolle des Liberos sah sich hingegen Arnd Rödiger. Seine Fotos waren über die gesamte Ausstellung verteilt. Sie hingen überall dort, wo die Bilder anderer Mitglieder kurzfristig ausgefallen waren oder wo es thematisch gut passte. Ob Basstölpel auf Helgoland, ein Schiffswrack auf dem Meeresboden vor Malta oder die Eppsteiner Burg mit Adventsfenstern – niemand sonst hatte bei der Ausstellung eine solch große Bandbreite an Bildern vorzuweisen.
Mit dem Foto einer Turbine hatte Rödiger im Frühsommer einen internen Wettbewerb des Fotoclubs zum Thema „Strukturen“ gewonnen. Alle Mitglieder konnten dabei rund 50 Aufnahmen bewerten, Punkte verteilen und sich somit als Teil der Jury fühlen. Die Ergebnisse des „Strukturen“-Wettbewerbs stellte die Gruppe ebenfalls auf den Fototagen vor.
Seine erste Kamera bekam Rödiger mit 15 Jahren. „Das Modell finden Sie heute nur noch im Museum“, sagte er. 56 Jahre und Tausende Fotos später ist der pensionierte Gymnasiallehrer alles andere als ein Technikverehrer. „Ich finde, heute kann man auch mit Kompaktkameras vernünftige Fotos machen.“
Rödiger und Detlev Bömelburg vertreten als Sprecher die Interessen der Fotogruppe nach außen. Organisatorisch gehören die Hobbyfotografen zum Kulturkreis Eppstein. Meist kommen zu den wöchentlichen Treffen 13 bis 15 Mitglieder. Schon bei dieser kleinen Zahl werde es im Bremthaler Backhaus eng, sagte Rödiger. Oft geht es bei den Treffen um Technik. Da hat zum Beispiel ein Mitglied eine neue Kamera oder kennt einen Trick mit einem Bildbearbeitungsprogramm.
Ab und zu stellen die Teilnehmer auch die Ergebnisse ihrer zurückliegenden Foto-Streifzüge vor. Die Mitglieder sind zwischen 29 und 82 Jahre alt. Derzeit seien es 25, darunter drei oder vier Frauen. Auch wenn die Räumlichkeiten der Gruppe beschränkt seien, könnte doch noch der eine oder andere Interessierte dazustoßen.
Text und Fotos: epo
 |
 |
| Bilder einer Ausstellung ambitionierter Amateurfotografen. |
|
 |
 |
| Arnd Rödiger (l.) und Detlev Bömelburg vor dem Foto des Wracks der „Rozi“ vor Malta, das Amateurtaucher Rödiger aufgenommen hat. |
|
zurück zur Übersicht |